Eight Days A Week
Seven And One Iteration

‹Eight Days a Week› reenacts creation, as described in the Book of Genesis, over and over again for seven weeks plus one, discovering that a new kind of creation, namely man-made creation, always creeps in on the final night. At the end, there is even an entire week that mankind itself creates and controls: the six transition days of the French Revolutionary calendar, which remained after the decimal straightening of the calendar at the end of the year.


148 pages, 77 images, 24 × 30 cm,
Offset printing, Japanische glue binding,
Englisch/Deutsch
ISBN 978-3-7356-0824-6
  • Kerber Verlag
  • 2021
    €68.00

    Wie alt ist die  Welt?
    «Sieben Tage, und wenn die um sind, nochmals sieben Tage» ist die einleuchtende und korrekte Antwort, die Till Eulenspiegel während eines gelehrten Disputs in einem Film auf diese Frage  gibt.
    Die Geschichte läuft aber nicht wirklich im Kreis, sondern eher in Form einer Doppelhelix. Zwar zyklisch von Tag zu Tag und Jahr zu Jahr, aber insgesamt doch linear: von einer, wie Arthur Schopenhauer sagt, ‹ unwiederbringlichen Vergangenheit › zu einer ‹ unvermeidlichen Zukunft ›.
    Das 1. Fotobuch  Mose
    Fotografie schafft Welten – oder wenigstens erst einmal Berge von Bildern. ‹ Eight Days A Week › unternimmt den Versuch, aus den Bergen die Welt zu erschaffen, indem die Motive in eine Art naturhistorische Reihung gebracht werden. Sieben Anläufe werden dabei unternommen – ausgehend von dem Verdacht, dass die göttliche Schöpfung möglicherweise auch nicht im ersten geglückt ist. Genauer gesagt sind es sieben plus ein Versuch, und um ganz genau zu sein: In jedem dieser acht Versuche wird die Welt nicht an sieben, sondern einem Tag mehr geschaffen. Nachdem nämlich die Originalschöpfung jedesmal pünktlich zum Sabbat fertig ist, bricht am Tag 7 + das Anthropozän  an.
    Im Großen wiederholt sich das Muster: Nach den sieben ersten Versuchen, die Gott vorbehalten sind, schließt eine achte Woche das Werk ab: Das ist die Woche der «Sansculottides», der Jahres-Resttage des französischen Revolutionskalenders. Da dieser Kalender keine siebentägigen Wochen, sondern zehntägige Dekaden hatte, von denen jeweils drei einen Monat bildeten, blieben am Ende des Jahres fünf, in Schaltjahren sechs Tage übrig, die als Feiertage eigene Namen hatten: Tag der Tugend, des Geistes, der Arbeit, der Meinung, der Belohnung und, alle vier Jahre, der  Revolution.
    Blur
    In der Fototechnik gibt es objektive Kriterien zur Bewertung der Schärfe von Bildern. Nach diesen Maßstäben sind die Bilder dieses Buchs durchgängig unscharf. ‹ Unscharf › gilt unter Nicht-Fotografen als Mangel, deshalb sollte man hier eher von ‹ detailreduziert › sprechen – das hört sich mehr nach der Absicht an, die selbstverständlich auch dahintersteckt.
    Diese Detailreduktion entsteht durch den Verzicht auf ein ‹ richtiges ›, das heißt ein Glaslinsen-Objektiv. Stattdessen wird auf die Urform der Kamera zurückgegriffen: Die ersten, als Zeichenhilfen benutzten Projektionsapparate hatten noch kein Objektiv, sondern nur ein einfaches Loch an dessen  Stelle.
    Die wichtigere Besonderheit gegenüber einem Linsenobjektiv ist aber die Lichtschwäche des Lochobjektivs, das auf englisch anschaulicher ‹ Pinhole › heißt: Die geringe Lichtmenge, die das Loch passieren lässt, macht diese Kamera praktisch nur bei Sonnenlicht benutzbar, und selbst dann ist mit Belichtungszeiten zwischen einer halben und zwei Sekunden zu rechnen. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Auswahl der Motive: möglichst einfache, große Formen – und möglichst keine Bewegung, denn die führt, je nachdem, ob sich Kamera oder Motiv bewegen, zu weiteren Arten von Unschärfen: zu Verwacklung oder Verwischung.
    Wenn man aber alles richtig macht, dann bekommt man wunderschöne Bilder von den Werken Gottes, Bilder, die von drei Zentimeter bis unendlich – quasi von jetzt bis in alle Ewigkeit – gestochen unscharf  sind.

    A More or Less Visual Companion of Mr. P.’s Fairy Tale on Circular Arc Phenomena Leaving Today, English/German Partly Cheesy Fleurs Vineta Eight Days A Week Partly Unconcious Runway